Morgen treffe ich mich mit meinem Noch-Mann Bodo. Ja, Sie haben richtig gelesen: Noch-Mann. Eigentlich leben wir ja getrennt, aber scheiden lassen wollen wir uns nicht. Ist schon verrückt. Es gab Zeiten, da habe ich mir nichts sehnlicher gewünscht, wollte unser Zerwürfnis unbedingt amtlich bestätigt bekommen und dann wiederum war ich froh, dass es nicht soweit gekommen war. In letzter Zeit fühle ich mich sogar zu Bodo hingezogen, wie schon lange nicht mehr. Auch er scheint es zu spüren, dass wir beide immer noch zusammengehören. Seit letzter Woche ruft er mich täglich an und möchte sich mit mir treffen. Eifersüchteleien kamen sogar auf, weil ich ihm keinen Termin nennen konnte. Aber was sollte ich machen? Ich musste mich um Romeo kümmern und hatte allerhand mit Sameja zu tun. Schließlich ging es um einen Mordverdacht und um die Suche nach Samejas Vater. Endlich haben Bodo und ich einen gemeinsamen Termin gefunden. Wir treffen uns morgen im Forsthaus. Ich bin aufgeregt wie in unseren Anfangszeiten. Nur, vorhin … da kam mir kurz der Gedanke: Was ist, wenn er mit mir über eine Scheidung reden will und er es deshalb so eilig hatte? Ach, warum muss man sich das Leben – die Liebe – immer so schwer machen? Ist ja gar nicht meine Art. Ich ziehe den schwarzen Pulli mit dem weiten Ausschnitt an, den er so an mir liebt und sehe ihm tief in seine kornblumenblauen Augen – dann ist kein Platz mehr für schlimme Gedanken, dann sind wir beide verloren.
Ich werde berichten, wie der Abend war.

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